Zwentendorf

Home
Zurück

Besuch im Kernkraftwerk

26. September 2009, Zwentendorf

horizontal rule

Ein strahlendes Erlebnis

Was 1978 eine wunderbare Niederlage für den „Sonnenkönig“ Bruno Kreisky war, ist 2009 für den EVN-Techniker eine „offene Wunde“. Das fix und fertig gestellte Kernkraftwerk Zwentendorf ging nach einer negativ verlaufenden Volksabstimmung nicht in Betrieb – und wird auch nie mehr in Betrieb gehen können.

Am 26. September 2009, einem wettermäßig strahlenden Tag, versammelten sich gut 25 Florianen, Rugen und Arcaden mit zahlreicher Begleitung zur Führung durch das „Museumskraftwerk Zwentendorf“. Der einleitende Film über den Bau des Kraftwerks ließ erkennen, dass hier Hochtechnologie in Österreich angewandt und teilweise erfunden wurde. Gerade für Nicht-Techniker/innen war es beeindruckend, wie solche „Monster-Bauten“ entstehen und welche bautechnischen wie logistischen Wunderwerke geplant und vollbracht werden können.

Dies wurde von Bbr. Ing. Rudolf Gutscher v. Carnot und dem Kraftwerksmeister der EVN auch überzeugend dargestellt. In einer Führung über 5 Hauptstationen durch das Kraftwerk stellten sie die technische Funktionsweise sowie vor allem die umfassenden Sicherheitsmaßnahmen des Kraftwerks dar. Ganz einfach zusammengefasst: Kernenergie erzeugt Wärme (wie ein Kohle- oder Gaskraftwerk), diese Wärme erhitzt Wasser bis zum verdampfen. Dieser Wasserdampf treibt Turbinen an, die über einen Generator kinetische Energie in elektrische umwandeln. Mit der Einspeisung in das Stromnetz kommt der Strom dann einfach in und aus der Steckdose.

Die Nicht-Inbetriebnahme der seinerzeit komplett betriebsbereiten Anlage hat einen – sowohl für Atomkraftbefürworter wie -gegner – unbestreitbaren Vorteil. An mehreren Stellen des sog. Reaktor-Druckbehälters bieten Öffnungen eindrucksvolle Möglichkeiten, in das Innere des Behälters einzusteigen. Somit dient Zwentendorf heute sowohl Besichtigungen für interessierte Besucher als auch Schulungen für Kraftwerksmeister anderer Länder.

In unserer größtenteils aus Laien bestehenden Besichtigungstruppe hat sich die Wirkungsweise wahrscheinlich nicht allen – zum. nicht dem Schreiber – so ganz entschlüsseln können. Aber, man konnte sich zumindest vorstellen, dass da eine Anlage nach dem damals höchsten Stand der (auch Sicherheits-)Technik entstanden ist.

Die Besichtigungsöffnungen sind neben der nun schon klaren Veralterung des Kraftwerks sowie dem Verkauf wesentlicher Teile auch der Garant für die Nie-wieder-Inbetriebnahme. Es ist einfach nicht mehr möglich, den Reaktor-Druckbehälter als Kernstück der Anlage dicht zu bekommen. Ob dem/r geneigten Leser/in die Freude überwiegt, dass Zwentendorf nun noch zumindest für Schulungszwecke einen Sinn macht, oder eben nie wieder eingeschaltet werden kann, bleibt ihm/ihr überlassen.

Mir hat die Besichtigung jedenfalls sowohl besondere Eindrücke als auch ein gutes Gefühl gegeben. Lieber Carnot, Dir und Deinem Kollegen vielen Dank für ein „strahlendes Erlebnis“! Sir

Fotos:

© 2008 KÖAV Floriana St. Pölten im ÖCV  |  e-mail: fieieidiibiaiciki i[iait] filiioiriiiainiaiii.iiaiiiiti   |  Stand: 08.11. 2009